Die sog. "Heimatliteratur" hat in der Schweiz eine lange Tradition, und die Schullesebücher waren früher voll davon. Vieles war unübersehbar tiefbraun, also Nazidreck, aber einiges war durchaus ansprechend. Wie sähe es aus, so fragte ich mich, wenn ich mich auch mal in "Heimatliteratur" versuchen würde? Vielleicht ist das ja was? Mein Grossvater väterlicherseits kam mir dabei als erstes in den Sinn, weil man ja eh nur bis zum Grossvater zurückdenken kann, und daraufhin fiel mir seine dritte Frau, das Tante Idi, ein. Ich schaffte allerdings nur diese zwei Kurzgeschichten, und die befinden sich jetzt eben in diesem Büchlein. Die Rede ist vom proletarischen Milieu in der Umgebung von Bern Ende der Fünfzigerjahre, Anfang der Sechzigerjahre, eigentlich der grosse ökonomische und somit der gesellschaftliche, doch leider nicht der politische Wandel. Der ganze bürgerliche Dreck ist bis heute an der Macht geblieben. Das Buch kann überall bestellt werden.

 

"Sie entwickelte sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte zu einer routinierten Marktfrau, die ihre Sache gut machte, sommers wie winters, zur Zufriedenheit aller, weil ihre Rechung immer bis zum letzten Rappen aufging, solange ihr niemand dreinredete und keine diebische Behörde auftauchte, die Geld von ihr haben wollte. Die kleinen Bauern des Dorfes, die ihr einen Teil ihrer Produkte anvertrauten, waren rundum zufrieden mit ihr, denn sie rechnete jeweils noch am gleichen Tag ab und zahlte ihre Lieferanten sofort aus. Ihre treuen Stammkundinnen in der Stadt waren aber auch zufrieden mit ihr, weil ihre Ware gut, sauber und nicht zu teuer war, und auch sie war durchaus zufrieden mit sich selber, wenn sie mal von der Tatsache absah, dass sie eben alleinstehend war, also keinen Mann hatte, ja, nicht einmal einen Schatz gehabt hatte, auch nicht heimlich, niemals."