Kurze Einführung in das schweizerische Literaturschaffen für Ahnungslose

 

 

 

In der Schweiz lohnt sich Literatur nicht. Das ganze Literaturschaffen ist unrentabel. Wer dennoch Bücher herausgeben will (kurz: Verleger genannt), ist auf staatliche Subventionen angewiesen. Für jedes Buch, das er herauszugeben beabsichtigt, muss er zuvor finanzielle Unterstützung beantragen. Die heimlichtuerischen staatlichen Stellen, die diese Unterstützung im Rahmen der «Kulturförderung» gewähren oder eben nicht gewähren, stehen stets von Neuem vor der Frage, ob sie diesen oder jenen Autoren, diese oder jene Autorin unterstützen, d.h. «fördern» wollen, oder nicht. Dabei spielen einzig politische Entscheide eine wichtige Rolle, denn bei der staatlichen Kulturförderung handelt es sich selbstverständlich um politische Entscheide, nicht um literarische. Deshalb kann man mit Fug davon ausgehen, dass das literarische Schaffen im Lande rein politisch gesteuert ist, und zwar haarklein. Verleger von Autoren, die den staatlichen Behörden genehm sind, weil sie keine «Gefahr» darstellen, erfahren in der Regel eine happige finanzielle Beihilfe, und Autoren, die nicht nach der Pfeife ihrer Regierung tanzen wollen, werden natürlich nicht gefördert. Der Verleger erhält keine Subvention für sie, und er muss dem erwartungsvollen Autor berichten, dass seine Texte leider nicht in die anspruchsvolle Verlagslinie seines Verlages passen, denn kein Verleger würde jemals zugeben, was die wahren Gründe für seine zahlreichen Absagen sind. Darüber schweigen sich sowohl die Verleger, als auch die Kulturbehörden vornehm aus. Man ist ja nicht blöd.