Mein amerikanisches Buch.   € 14.99  Neuauflage!

 

 

Irgendwann geriet mir eine Vorlesung von Tom Wolfe in die Finger. Darin gab er seinen Studenten Anweisung, wie sie ein gutes Buch zu schreiben hätten, nicht ein Buch von Tom Wolfe, sondern hämischerweise ein Buch von seinen Erzfeind Truman Capote. Da beschloss ich, durch und durch schweizerisch, auch mal ein amerikanisches Buch zu schreiben, und zwar genau nach seinen Vorgaben. Doch ich konnte ja nicht gut über eine amerikanische Gesellschaft schreiben, wie das natürlich die amerikanischen Autoren tun, denn ich kannte nur die bernische Gesellschaft, nicht einmal die schweizerische, sofern es das überhaupt gibt. Doch mein "amerikanisches" Buch schlug 1992 in Bern wie eine Bombe ein, denn ab sofort war ich persona non grata im Schrottkanton Bern und in der ganzen Schweiz. Für immer. Mein Verleger liess mich wie eine heisse Kartoffel fallen, und meine übrigen Bücher verschwanden wie von Zauberhand aus den Buchläden. Man kannte mich plötzlich nicht mehr, ja, man hatte noch nie etwas von mir gehört, noch gelesen, denn auch meine Bücher kannte man nicht mehr. Nie mehr wurde ich zu einer Lesung geladen, noch mit einem bescheidenen Preislein ausgezeichnet, und nicht einmal mehr erwähnt wurde ich, nirgendwo, in keinem Feuilleton eine noch so winzige, versteckte Erwähnung oder gar verschämte Besprechung, einfach nichts mehr - nicht einmal eine Einladung an die biederen Solothurner Literaturtage erhielt ich noch. Es gab mich danach einfach nicht mehr, ich war gestorben, denn Geheimdienste sind gründlich. Ich musste mir eingestehen: Mein amerikanisches Buch war der Hammer. Es kann auch heute noch überall bestellt werden oder direkt bei https://www.bod.de/buchshop/ . Da kriege ich wenigstens etwas zurück.

 

"Er schaut sich das Haus lange an. Es liegt im Dunkeln; nichts ist zu hören und nichts ist zu sehen. Vielleicht sitzt da jemand drin und wartet auf ihn? Je länger Andi das Haus anstarrt, desto stärker hat er das Gefühl, dass das eine Falle ist, eine Falle für ihn, Andi. Da warten im Finstern irgendwelche Finsterlinge, dessen ist er je länger, desto mehr überzeugt. Sie passen ihm, Andi, ab, wie der Volksmund sagt. Er kann sie riechen, er kann sie fühlen; sie lauern im Treppenhaus oder in der Küche, sie sitzen im Dunkeln, vielleicht sogar in seinem Zimmer, liegen unter seinem Bett."